Klimawandel in Rübenach

Der Anderbach am 19.06.2020 nach mehreren ergiebigen Regenfällen

Es hat in den letzten Tagen tatsächlich mehrmals geregnet und man möchte glauben, dass sich die Natur erholt. Realität ist aber, dass der Anderbach, der unterhalb der Firma Canyon im sogenannten Güterverkehrszentrum (GVZ) Rübenach entspringt, noch immer trocken ist.

Das nebenstehende Foto wurde am 19. Juni 2020 an der Stelle aufgenommen, an der der Bach die Keltenstraße unterquert und wie man sieht: Da ist kein Tropfen mehr. Am Schleiderbach in Güls zeigt sich übrigens just in diesen Tages ein anderes Bild. Dieser stieg wieder einmal über die Ufer – trotz der wochenlangen Trockenheit. Ein heftiger Regen reicht aus und das kleine Gewässer tritt über die Ufer und schwemmt zunehmend Material des parallel laufenden Wanderweges aus. Von den provisorischen Ausbesserungen des Weges, die vor wenigen Jahren privat durchgeführt wurden, ist bereits jetzt kaum noch etwas zu sehen. Der Bach reißt einfach alles mit, um dann nur Stunden später wieder friedlich zu plätschern.

Nun muss man wissen, dass dieser Bach über Jahrhunderte eine der ehemals acht Mühlen in Rübenach betrieben hat. Diese wurde ca.1631 von Philipp-Lothar zu Eltz erbaut und von wechselnden Besitzern bis etwa 1933 betrieben. Seit 1890 trug sie den Namen Moskopp–Mühle. Das Fachwerkgebäude, welches im Jahre 1720 restauriert wurde, ist durch die Leistung der Familie Moskopp in historischer Form erhalten geblieben, obwohl es – wie die anderen Mühlen – im Jahre 1933 von einer Hochwasserkatastrophe heimgesucht wurde.

Durch das Anwesen führte seiner Zeit ein befestigter Feldweg in Richtung Güls. Heute verläuft die Mühlenstraße, die ihren Namen von dieser Mühle hat, knapp westlich an dem Mühlengebäude vorbei.

Was seit fast 400 Jahren funktioniert hat ist nun wegen der Versiegelung des Bodens im GVZ und im Gewerbegebiet an der A 61 vorbei. Wenn das Wasser am Hang nicht versickern kann, kann es im Tal auch nicht als Bach zu Tage treten.

Man mag diese Entwicklung gut finden oder nicht, aber man sollte dennoch Rechenschaft ablegen über das, was gerade geschieht.

Die Bürgerinitiative „Lebenswertes Rübenach“ e.V. möchte dazu mit dieser Veröffentlichung beitragen.

Rüdiger Neitzel
(Vorsitzender BI)

2 Kommentare zu “Klimawandel in Rübenach

  1. juergen mueller

    Diese Entwicklung kann und sollte man nicht gutheißen.
    Was über Jahrhunderte Bestand hatte, fällt ganz einfach den politischen Wünschen und Erfordernissen der “Neuzeit” zum Opfer.
    Die Politik schreibt es uns vor, WAS erwünscht ist und WAS machbar gemacht wird.
    Da werden Gewerbe und Industrie bevorzugt ohne Rücksicht auf Schäden an Natur und Umwelt – da werden offensichtliche Folgeschäden einem, dem Vernehmen nach wirtschaftlichen Aufschwung geopfert u.in Kauf genommen.
    Anstatt irreparable, vorhersehbare Schäden für Natur und Umwelt zu berücksichtigen, wird weiterer Fokus auf nicht kalkulierbare Gewerbe-Steuereinnahmen gelegt.
    Da werden Klimaschutzziele bewusst mit “Schauveranstaltungen” kaschiert, indem man lächerlich, mit einer grünen Schürze ausstaffiert, vor einem neu gepflanzten Baum, mit einem Spaten ausstaffiert, den Anschein erweckt, man habe ihn selbst gepflanzt.
    Der Niedergang einer, Dank der Politik, ehemals gesunden Region “RÜBENACH” ist sprichwörtlich für einen politisch gewollten Fortschritt, der alles bewirken soll, nur KEINEN Erhalt einer Lebensqualität, die es noch vor ca. 25 Jahren gegeben hat.
    Danke, ortseingesessene, im Stadtrat vertretene Politik, die es uns ermöglicht hat, dahin zu kommen, wo wir heute leider stehen.

  2. Gunnar Römer

    Ich bin kein Naturwissenschaftler, aber meine geohydrologischen Grundkenntnisse reichen vermutlich aus, um zu sagen: Das geht nicht mit rechten Dingen zu. Wenn nach einem Starkregen-Ereignis ein Bach sofort über die Ufer tritt und der andere – nur wenige Kilometer entfernt – trotzdem fast austrocknet, kann etwas nicht stimmen.

    Den Schleiderbach kenne ich seit meiner frühesten Kindheit; er führt heute schon bei Trockenheit deutlich mehr Wasser als früher. Gleichzeitig hat der Anderbach seinerzeit eine Mühle betrieben. Irgendetwas scheint die Wasserverhältnisse ordentlich durcheinandergewirbelt zu haben. Hier die zunehmende Bodenversiegelung in der Rübenacher Gemarkung als Grund zu vermuten, liegt sicherlich nah.

    Oder etwas humorvoll ausgedrückt: Der normale Regen wirkt sich am Schleiderbach wesentlich spürbarer aus als der Gewerbesteuer-Regen in den kommunalen Kassen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.